katholische Grundschulen: werden Grundrechte außer Kraft gesetzt?

By admin um 17:17 am Sonntag, Dezember 30, 2012

Zur Berichterstattung darüber , dass zukünftig in Sundern nur noch katholische Grundschulen existieren werden, erhielten wir nachfolgende Leserzuschrift:

 

Sehr geehrter Herr Korn,

 

mit großem Interesse las ich Ihre Kritik zum Thema Bekenntnisschulen auf Ihrer Homepage.

Ich bin evangelische Religionslehrerin in Ostwestfalen.

Dort sind die “Zustände” ähnlich wie bei Ihnen.

Eltern haben kaum eine Wahlmöglichkeit bei der Auswahl einer Grundschule, da es fast ausschließlich katholische Bekenntnisschulen gibt. Zuweilen lassen sich diese bei Anmeldung unterschreiben, dass man sich zu katholischer Erziehung und katholischem Religionsunterricht verpflichtet.

Mit der Anmeldung an einer staatlichen Schule werden also Grundrechte (Recht auf Religionsunterricht im eigenen Bekenntnis bzw. Nichtteilnahme am Religionsunterricht) außer Kraft gesetzt!!!

In Paderborn setzt sich z.Z. ein muslimischer Vater gegen Diskriminierung zur Wehr.

http://www.kurzebeinekurzewege.de/welche-auswirkungen-haben-bekenntnisgrundschulen-auf-integration/

Das scheint doch insgesamt verfassungsrechtlich sehr bedenklich.

Ich durfte eine solche katholische Grundschule jahrelang kommissarisch leiten. Meine Bewerbung auf eine feste Schulleiterstelle lehnte die Bezirksregierung auf Grund meiner Konfession ab.

Christliche Erziehung ist mir als Religionslehrerin überaus wichtig und ich glaube sagen zu können, dass ich die Schule mit viel Engagement und christlichem Geist geleitet habe.

Die Bezirksregierung argumentierte bei der Absage mit “mangelnder Eignung”.

Das Grundgesetz sieht vor, dass jeder Bürger bei Eignung gleichen Zugang zum öffentlichen Amte hat, unabhängig von seiner Religion. Man erklärt die Konfession in NRW als Aspekt der Eignung und meint, dann sei das alles grundgesetzgemäß.

Ich habe erhebliche Bedenken, besonders dann, wenn es kaum Gemeinschaftsgrundschulen gibt.

Andersgläubige Lehrkräfte haben in katholischen Regionen also wesentlich schlechtere Beförderungsaussichten.

Inzwischen darf die Konfession auch bei der Einstellung in den Schuldienst als Aspekt der Eignung herangezogen werden. Junge Lehrkräfte werden in NRW nicht Beamte, weil sie keine oder die falsche Religion haben. Als “billige” Aushilfslehrkräfte mit Zeitverträgen benutzt man sie aber gerne und setzt sie auch an katholischen Schulen bedenkenlos ein.

Mich hat man ebenso ausgenutzt. Ohne Schulleitergehalt durfte ich den Leitungsjob viele Jahre ausfüllen, danach folgte Degradierung und Zwangsversetzung.

Bitte bleiben Sie an dem Thema dran.

Leider findet es bei unseren Gewerkschaften kaum offene Ohren.

Die GEW äußert sich kritisch, aber zögerlich. Der VBE lehnt jede Kritik am System ab.

Die Bonner Elterninitiative (die Sie zitieren) ist sehr engagiert tätig zu diesem Thema.

www.kurzebeinekurzewege.de

 

Mit freundlichen Grüßen

 

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Januar 1, 2013 @ 2:47 pm

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