Bildungspolitik in Sundern: Stellungnahme der Grünen

By admin um 18:53 am Sonntag, November 15, 2009

Auf die weitreichenden und tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahren hat die Stadt Sundern erstaunlich schnell reagiert bezw. agiert und in Bildung zukunftsorientiert investiert.
Innerhalb kürzester Zeit wurden flächendeckend im Primarbereich offene Ganztagsschulen eingerichtet, zwei Kindergärten erhielten den Status “Familien- zentrum” , das KiBiz konnte einschließlich des Angebots für Kinder unter drei Jahren bedarfsgerecht umgesetzt werden.
Auf Grund der verlängerten Unterrichtszeit im Zuge von G8 wurde in diesem Jahr eine Mensa im Gymnasium eingerichtet. In 2010 beginnt eine ca. 7 Millionen Euro teure umfangreiche Gebäudesanierung des Hauptschulgebäudes.
Alle Sunderner Schulen sind am Projekt “Selbstständige Schule” zur Schul-und Unterrichtsentwicklung beteiligt.
Für die Hauptschule gibt es zur Zeit einen Schulsozialarbeiter. Ab 2010 sollen alle Schulen Sunderns Hilfe von einem Schulsozialarbeiter stundenweise in Anspruch nehmen können.

Die Schulsozialarbeit ist mittlerweile ein fester Bestandteil der schulischen Arbeit an den weiterführenden Schulen. Am Gymnsasium gibt es bereits eine feste Sprechstunde von Herrn Diekmann vom Sozialwerk und Herr Iseringhausen von der EZB ist mittlerweile intensiv auf verschiedenen Ebenen der schulischen Arbeit eingebunden, unter anderem im Projekt
„Lernen lernen“, aber auch in der Einzelfallbetreuung. Hier wäre es aber dringend erforderlich, auch qualifizierte Psychologen einzusetzen und ihrer Qualifikation entsprechend zu bezahlen, da wir immer mehr Schüler mit tiefgreifenden Problemen haben, die alleine durch die – unbestitten wichtige – Arbeit eines Sozialarbeiters nicht mehr aufgefangen werden
können und die Versorgung mit Kinder- und Jugendpsychologen in der Region nicht bedarfsdeckend ist.

Verbesserung der Ganztagsangebote: Für berufstätige Eltern gibt es mittlerweile gute Angebote in den Familienzentren und den offenen Ganztagsschulen an den Grundschulen. Hier müssten aber die Angebote durch qualifiziertes Personal deutlich erweitert werden. Nach wie vor ist es so, dass für die Betreuungsangebote nur sehr wenig Gelder zur Verfügung stehen. Hier wäre ein wichtiger Ansatz, z.B. Kindern mit Lernschwierigkeiten oder Kindern mit Migrationshintergrund Förderangebote z.B. durch qualifizierte Motopäden/innen oder Sprachlehrer zu machen. Für Minimaltarife sind keine qualifizierten Angebote zu haben.

Kibiz: Wie oben erwähnt, haben sich die Betreuungsmöglichkeiten rein zeitlich betrachtet verbessert, mehr Plätze für unter Dreijährige wurden geschaffen, die Öffnungszeiten z.T. verlängert. Die Familienzentren sind da sicherlich auf einem guten Weg. Aber auch hier ist die Voraussetzung für eine Arbeit, die sich eben auch als Frühförderung und nicht bloßes
Verwahren der Kinder versteht, auf ausreichende finanzielle Mittel angewiesen. Mit Kibiz hat verstärkt die Mentalität des „hire and fire“ in Personalangelegenheiten in der Kinderbetreuung Einzug gehalten. Bedarfsgerechte zeitliche Angebote an die Eltern dürfen nicht damit verknüpft werden, dass das Personal zu einem großen Teil über Zeitverträge beschäftigt wird, damit man die Erzieherinnen bei zeitweise geringerem Bedarf schnell wieder kündigen kann. Gerade wenn wir sehr junge Kinder in diesen Einrichtungen betreuen lassen, muss eine möglichst große Kontinuität des Personals gewährleistet sein. Es ist eher unwahrscheinlich, dass gravierende personelle Überkapazitäten auftreten, denn Freiräume können schließlich auch produktiv für die Entwicklung neuer Angebote oder eine zeitweilig intensivere Betreuung von Problemkindern genutzt werden.

Die offenen Ganztagsschulen werden durch das von Land und Kommune finanzierte Projekt “Kein Kind ohne Mahlzeit” unterstützt. Die Hauptschule und die Förderschule Dietrich-Bonhoeffer-Schule nehmen an einem dreijährigen Berufsvorbereitungsprojekt ProBe teil.

Die Stadt Sundern ist auf dem richtigen Weg, Bildung zu stärken.
Natürlich wird es immer wieder neue Herausforderungen geben. Es wird relativ leicht sein, die Aufsichts-Situation an den Bushaltestellen des Schulzentrums zu verbessern. Ein Blick auf die als vorbildlich zu bewertende Aufsichtspraxis des Esloher Schulzentrums kann da Anregungen geben.
Es wird ebenfalls relativ leicht zu bewerkstelligen sein, die große Schaar der 13 bis 18
jährigen rauchenden Schüler auf der sogenannten “Rauchertreppe” des Schulzentrums
zu reduzieren.
Es wird relativ leicht sein, den Alkoholkonsum auf schulischen Veranstaltungen (z.B.
Abi-Sturm oder Rock am Berg) zu unterbinden. Ein einfacher Hinweis auf das Jugendschutzgesetz und auf das Schulrecht würde genügen.
Wesentlich komplexer sieht die Integrationsförderung aus. Da müssen mehrere
Einrichtungen gut vernetzt zusammenarbeiten.

Bündnis 90/Die Grünen halten darüber hinaus eine Schulstruktur-Veränderung für dringend erforderlich. Wir hoffen, dass eine neue NRW-Regierung unmittelbar nach der nächsten Landtagswahl 2010 dies ermöglichen wird. Einige konkrete Erwartungen seien hier genannt:
Wir hoffen auf die Abschaffung des von Wilhelm von Humboldt 1809 erdachten dreigliedrigen Schulsystems, das den heutigen sozialökonomischen Voraussetzungen und Erfordernissen unserer Gesellschaft nicht mehr im Geringsten entspricht.
Wir hoffen, dass längeres gemeinsames Lernen möglich wird (mindestens bis zur einschließlich 6. Klasse), damit mehr Bildungsgerechtigkeit erreicht wird.
Wir hoffen, dass die “Käfighaltung” für Schüler (30 Schüler und mehr in einer Klasse) abgeschafft wird.
Wir hoffen, dass das sogenannte G8 schülerorientiert und damit menschenfreundlich gestaltet wird.
Wir hoffen, dass es zur Regel wird, dass behinderte und nichtbehinderte Schüler
ein und dieselbe Schule besuchen können.

Die Durchlässigkeit unseres Schulsystems funktioniert zur Zeit größtenteils nur von oben nach unten. „Aufsteiger“ haben es relativ schwer, vor der Errreichung eines Schulabschlusses die Schulform zu wechseln. D.h. unter denjenigen, die einen qualifizierten Schulabschluss
der Haupt- oder Realschule erreichen, wäre es dem einen oder anderen vielleicht auch schon nach der Eprobungsstufe oder nach der 8 möglich, die Schulform nach oben zu wechseln und damit einen höherwertigen Schulabschluss anzustreben. Hier müssten die weiterführenden Schulen besser kooperieren. Es wäre zu prüfen, ob z.B. ein Schulformwechsel auf Probe ein gangbarer Weg wäre, um die Übergangszahlen zu verbessern.

Dimidium facti, qui coepit, habet
(Wer angefangen hat, hat schon die Hälfte geschafft.)

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November 15, 2009 @ 10:26 pm

[…] Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Förderschule sind zur Zeit die Sunderner Schultypen. Den ganzen Artikel lesen Tags »   Grüne, Schule, Schulentwicklung, Sundern « Trackback: […]

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