Biosprit fördert den Profit und Hunger!?

By admin um 21:36 am Donnerstag, Juli 26, 2007

Brasiliens Befreiungstheologe Frei Betto: Bio-Treibstoff ist Todes-Sprit

Sao Paulo – Die Produktion von Agro-Treibstoffen hat der bekannte
brasilianische Dominikanerbruder und Befreiungstheologe Frei Betto
angesichts des Hungers in der Welt als unverantwortlich und unmenschlich
verurteilt. In einem von der katholischen Nachrichtenagentur ADITAL
veröffentlichten Beitrag mit dem Titel „Treibstoffe des Todes“ schrieb Frei
Betto am Dienstagabend (Ortszeit) in Sao Paulo, der Boom bei
fälschlicherweise als Biosprit bezeichneten Produkten provoziere bereits
weltweit einen deutlichen Preisanstieg bei Lebensmitteln, darunter in
Europa, in China, Indien und den USA. In Brasilien selbst, das die
Herstellung von Ethanol aus Zuckerrohr nach Kräften fördere, habe die
Bevölkerung im ersten Halbjahr dieses Jahres für Nahrungsmittel dreimal
soviel ausgeben müssen wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Die
brasilianischen Großfarmer, so Frei Betto weiter, stürzten sich geradezu auf
das neue „Gold“ namens Zuckerrohr und ließen den Anbau traditioneller
Agrarprodukte beiseite. Dies wirke sich nicht anders als in den USA
natürlich auf die Lebensmittelpreise aus.

In der ganzen Welt gebe es etwa
800 Millionen Autos – die gleiche Zahl von Menschen leide unter chronischer
Unterernährung. Beunruhigend sei, daß dennoch keine der jetzt von den
Agrartreibstoffen so begeisterten Regierungen das Modell des
Individualverkehrs in Frage stelle. „So, als ob die Profite der
Automobilindustrie tabu, unangreifbar wären.“
Der Theologe, Bestsellerautor und Zeitungskolumnist erinnert zudem daran,
daß der Zuckerrohranbau in Brasilien seit der Kolonialzeit auf extremer
Ausbeutung, Umweltvernichtung und Abzweigung öffentlicher Gelder beruht. Die
Regierung von Staatschef Luis Inacio Lula da Silva habe dieses Jahr
Großfarmen wegen Sklavenarbeit bestraft. Diese sei indessen weiterhin
häufig. 1850 habe ein Sklave auf den Zuckerrohrplantagen für fünfzehn bis
zwanzig Jahre geschuftet – heute seien es wegen des exzessiven
Arbeitspensums nur noch durchschnittlich zwölf Jahre. Der Boom beim
Zuckerrohranbau bewirkt laut Frei Betto zudem eine gewaltige
Binnenmigration, Slumwachstum, die Zunahme von Morden und Rauschgifthandel
sowie Kinderprostitution. Weil sich der Sojaanbau im Südosten Brasiliens
durch die Ethanolproduktion verringere, komme es zu einer starken Ausweitung
der Sojaflächen in Amazonien. Und dies bedeute rücksichtslose
Urwaldzerstörung. Frei Betto fordert die Lula-Regierung auf, sich um die
Hungernden des Tropenlandes zu kümmern, anstatt die Zuckerrohrunternehmer
reich zu machen.

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