Das neueste aus Sauerländer Schützenvereinen

By admin um 13:02 am Mittwoch, Oktober 11, 2006
Nur „Rechtgläubige“ dürfen den Vogel zur Strecke bringen
Einmal als Schützenkönig durch Freienohl ziehen: 2005 regierte Karl-Heinz Kordel die Schützen.
(WR-Bild: Wilfried Gundel)“
Freienohl/Dortmund. Ein Schützenkönig im sauerländischen Freienohl brauchte seit jeher Gottvertrauen. Dass er aber auch Kirchensteuer an die katholische oder evangelische Kirche zahlen muss, hat nun die St.Nikolaus-Schützenbruderschaft 1702 e.V. Freienohl in ihrer Satzung festgelegt.Die Generalversammlung, besetzt mit 136 Schützen, hat bei nur sechs Nein-Stimmen am Sonntag beschlossen, dass künftig nur Schützenkönig werden darf, wer der evangelischen oder katholischen Kirche angehört. Hauptmann Wilfrid Maas erläutert den Beschluss: Schon immer hätten die St. Nikolaus-Brüder nur Christen als Schützenkönige toleriert. Nun sei schlicht und einfach präzisiert worden, wer nach Vereinsauffassung ein Christ ist. Hintergrund: Vor wenigen Jahren habe ein junger Mann in Freienohl versucht, den Vogel abzuschießen. Zu seinem religiösen Hintergrund gab er an, „irgendeiner freiheitlich christlichen Sekte mit Sitz in New York anzugehören“. Der Renegat sei längst zurückgekehrt in den Schoß der katholischen Kirche, weiß Maas. Aber der Hauptmann wünscht sich, „dass solche Streitigkeiten künftig nicht unter der Vogelstange ausgetragen werden“. Im Verein werden zwar Andersgläubige geduldet, nur König dürfen sie nicht werden. Maas: „Wir haben auch zwei Zeugen Jehovas.“Während beim Hauptmann im Hochsauerlandkreis bislang keine Kritik an diesem Beschluss angekommen ist („nur ein paar Leute hatten Nachfragen“), zeigt sich der Humanistische Verband NRW mit Sitz in Dortmund höchst erstaunt über dieses Beispiel einer Ausgrenzung von Konfessionslosen. Landesgeschäftsführer Dieter Grützner schätzt die Rechtslage so ein: „Wenn ein Atheist Schützenkönig werden wollte, könnte er dagegen klagen und bis zum Europäischen Gerichtshof ziehen. Aber wer macht das schon…“Dass sich die Freienohler auf gewachsene Traditionen berufen, hält der Interessens-vertreter der Konfessionslosen – in NRW rund 20 Prozent der Bevölkerung – für äußerst fragwürdig: „Mit diesem Argument könnten die auch wieder Scheiterhaufen aufbauen.“Glauben ist gut, Kontrolle in diesem Fall nicht unbedingt besser. Hauptmann Wilfrid Maas kann sich nicht vorstellen, die Kirchen-Mitgliedschaft eines Schützen vor dem Abdrücken zu kontrollieren. Allerdings ist er sicher, dass die örtlichen kirchlichen Würdenträger schon wissen, welches Schäfchen noch auf ihrer Weide grast.
10.10.2006 Von Jürgen Potthoff

Bericht aus der WR vom 11.10.06

Die WR hat zum Thema auch ein Forum eingerichtet:

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