Die große Angst vor dem Gift aus dem Schlot

By admin um 2:16 am Donnerstag, Januar 25, 2007

In Paderborn und Borchen regt sich heftiger Widerstand vieler Fraktionen und Bürgerinitiativen: Der Abfallentsorger Stratmann (Bestwig) und der Fruchtsaft- und Marmeladenhersteller Stute (Paderborn) planen in Mönkeloh den Bau einer Müllverbrennungsanlage. Sie soll u.a. Abfälle aus den Müllsortieranlagen in Meschede-Enste, Paderborn-Elsen und Korbach-Flechtdorf verwerten – alles Anlagen, an denen ebenfalls die Fa. Stratmann beteiligt ist. Normalerweise müßten diese Abfallstoffe in einer der vorhandenen MVAs entsorgt werden. Diese Kosten will aber die Fa. Stratmann anscheinend sparen, indem sie selbst eine Anlage mit wesentlich geringerer Reinigungswirkung errichtet. Denn die technischen Standards der geplanten Müllverbrennungsanlage sind höchst umstritten. So soll die Rauchgasreinigung weit unter dem heute üblichen Stand der Technik liegen, so daß etwa 10- bis 20mal so viele Schadstoffe an die Umgebung abgegeben werden wir z.B. aus der MVA Bielefeld-Heepen. Stratmann und Stute haben für diese MVA eine neue Betreiberfirma gegründet, die „KMG Kraftwerksgesellschaft Mönkeloh GmbH & Co KG“ mit Büroadresse in Bestwig. Bis zum 19.02. liegen die Pläne öffentlich aus, u.a. beim Stadtplanungsamt Paderborn und bei der Gemeindeverwaltung Borchen. Einwendungen kann jeder bis zum 05.03.2007 bei der Bezirksregierung Detmold erheben. Wir veröffentlichen Berichte zur geplanten MVA aus der „Neuen Westfälischen“.

Weitere Infos gibt es unter https://www.keinemva.de .

Paderborn. Der Unmut über die Pläne der Kraftwerksgesellschaft Mönkeloh, in Paderborns Süden ein Heizkraftwerk auf der Basis von Müllverbrennung zu bauen, wächst. Am Donnerstag Abend kamen rund 200 Bürgerinnen und Bürger zu einer Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative „Keine MVA in Mönkeloh“ in das Lukas-Zentrum.“Die mehrere tausend Unterschriften, die wir schon gegen eine Müllverbrennungsanlage gesammelt haben, waren gut, um ein Stimmungsbild zu bekommen“, machte Horst Schulze-Stiehler aus dem Vorstand der BI klar. „Jetzt kommt es aber darauf an, förmliche Einwendungen zu formulieren, damit das Projekt gestoppt wird.“

Gemeint ist: Bis zum 5. März kann jeder bei der Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde seine persönlichen Bedenken äußern. Schulze-Stiehler: „Wenn wir fünf- bis zehntausend davon zusammen bekommen, ist das sicher ein deutliches Signal. Denn, so machte der Delbrücker Jürgen Wrona, Mitglied im Sprecherrat der BI und Sprecher der Bürgerinitiative „Das bessere Müllkonzept“ im Kreis Gütersloh, auch klar: „Wenn wir nichts tun, dann wird die Anlage genehmigt.

Die Verordnungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes und der Technischen Anleitung Luft sind so angelegt, dass es gute und schlechte Müllverbrennungsanlagen geben kann. Unsere Chancen stehen jedoch nicht schlecht, wir können an vielen Hebeln ansetzen. So besteht die Bürgerinitiative auf einer deutlich besseren Filtertechnik für die Anlage, die nach BI-Berechnungen rund 20 mal mehr Gift aus dem 94 Meter hohen Schornstein blasen wird als die MVA in Bielefeld. Wrona: „500 Gramm Krebs erregende Stoffe pro Hektar im Jahr in einem weiten Umkreis: Dieses Risiko muss deutlich minimiert werden. Ganz zu schweigen von Betriebsstörungen und Unfällen, bei denen noch viel mehr Gift entweicht.“

Insgesamt ist laut Antragsteller geplant, 115.000 Tonnen „Ersatzbrennstoffe“, also Müll, zu verheizen, darunter auch mit Schwermetallen oder anderen Giftstoffen belasteter Müll. Sollte der Betreiber, eine Tochter der Müllentsorgungsfirma Stratmann aus Bestwig, dazu gezwungen werden, bessere Filter einzubauen, so würde sich womöglich die ganze Anlage betriebswirtschaftlich nicht mehr rechnen, kalkuliert die Bürgerinitiative. Denn eigentlich ist man der Meinung: „Wir brauchen diese Anlage auch mit besserer Technik nicht“, so Wrona. „Sie fördert lediglich den Mülltourismus, verhindert vernünftigen Umgang mit Ressourcen und steht so weder im Abfallwirtschaftsplan noch im Gebietsentwicklungsplan der Region.“ BI-Sprecher Reinhard Menne: „Sie nutzt einzig und allein den privaten Interessen der Müllverbrenner und des Energieabnehmers, der Firma Stute, die unsere Gesundheit mit einer Billig-MVA gefährden wollen.“

Wichtig sei es jetzt, auch die politische Unterstützung der Paderborner Mehrheitsfraktion CDU zu finden, die sich neben der FDP als einzige politische Kraft noch nicht klar gegen eine MVA in Mönkeloh positioniert habe, sagte Fritz Buhr, Sprecher der Paderborner Umweltverbände. Die Stadt Paderborn besitze auch insofern eine Schlüsselrolle, weil sie im Besitz des Nachbargrundstückes der geplanten Anlage sei. Durch dieses müsse zwangsläufig die Leitung für die in der Anlage produzierte Heizenergie in Richtung Firma Stute führen. Buhr forderte: „Die Stadt soll das Durchleitungsrecht verweigern!“

Ab Montag unterhält die Bürgerinitiative ein Info-Büro im Weltladen an der Ferdinandstraße (16 bis 18 Uhr).

aus: NW vom 13.01.2007

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