Gedanken zum Volkstrauertag: *Ich hatt`keinen Kameraden*

By admin um 10:17 am Montag, November 14, 2011

Zum gestrigen Volkstrauertag erhielten wir nachfolgende Gedanken von Werner Pieper.

Werner Pieper, 1948 in Meschede geboren,wuchs in den 50/60ger Jahren in Sundern- Dörnholthausen auf dem Attenberg auf und ging zur Realschule Sundern wo er auch als Schülersprecher tätig war.

Werner Pieper betreibt seit 1973 in Löhrbach bei Weinheim eines der bekanntesten Independent-Medienunternehmen Deutschlands, das 1971 in Heidelberg als Die Grüne Kraftgegründet, in den 1980er Jahren – um nicht mit den „Grünen“ verwechselt zu werden – unter dem Namen MedienXperimente bekannt wurde und heute Werner Pieper & The Grüne Kraftheißt.

Ich hatt‘ keinen Kameraden
Gedanken zum Volks?Trauer!Tag 2011
Werner Pieper

Welches ‚Volk‘ trauert, bzw. um welches Volk wird an diesem Tag getrauert?
Das Volk der Täter?
Die Opfer-Völker?
Macht so ein Begriff nationaler Arroganz für uns Europäer im Jahr 2011 noch Sinn, ist er noch akzeptabel? 

Wenn man sich die Geschichte dieses Tages anschaut, kann die Antwort nur NEIN! sein, stammt er doch als staatlicher Feiertag aus ‚der dunkelen Zeit vor uns‘, wie Oberlehrer Günter Jauch das 3. Reich nennt; genau: aus dem Jahre 1934. Ins rechte Licht gerückt: damals nannte man ihn ‚Heldengedenktag‘, und er wurde in der Folge zu einem Tag der Glorifizierung des soldatischen Selbstopfers – entsprechend sehen die Krieger-Denkmäler aus jener Zeit aus, an denen heute das Jahr über mehr Hunde urinieren, denn Menschen trauern und gedenken. ‚Gedenken‘ hat nicht immer etwas mit ‚denken‘ zu tun. Diese Denk-Male eignen sich nicht für die private Trauer um verstorbene Brüder, Väter, Großväter …, sie gelten den gefallenen Helden: Soldaten, Feldwebel etc., die für etwas Größeres, das nationale Ganze, das ‚Vaterland‘ killten.

Wegschauen und verdrängen ist nicht wirklich eine Alternative. Umbenennen vielleicht. Warum nicht in ‚Völkertrauertag‘? Oder ‚Krieg – Nein Danke-Tag!‘ Im heutigen Europa wäre doch auch ein offizieller grenzüberschreitender ‚Freudentag‘ angebrachter, da die derzeitige Friedensphase bei uns gerade ins Rentenalter kam – seit 66 leben wir hier im Frieden. So eine friedliche Zeit haben unsere Altvorderen nie erleben dürfen. An den letzten von Deutschland gewonnenen Krieg – der Sieg jährt sich zum 140 x – erinnern sich nur ein paar Akademiker. Stalingrad ist nun 70 Jahre her. Stell Dir vor, jene Aggressor-Kameraden, um die nun landesweit staatstragend getrauert wird, hätten den Krieg gewonnen. Statt einem ‚freien Europa‘ wäre ein Nazi-Europa entstanden. Statt dessen sollten wir diesen letztendlichen Loosern danken, denen wir wenn auch nur indirekt, diese längste Friedensphase verdanken. Aber feiern darf man an diesem Tage von staatswegen nicht – es herrscht staatliche Zwangstrauer.

Bei den heutigen Aufmärschen an Kriegerdenkmälern sind nicht die Völker gemeint, die von unsern Vätern und Großvätern überfallen, angegriffen und gemetzelt wurden. Jede Familie kann im privaten Rahmen um ihre Gefallenen trauern. Eine staatlich vorgeschriebene Trauer sollte doch für die Opfern vorbehalten werden, die man nicht wirklich in den selben ErinnerungsTopf werfen sollte wie die Täter. In heutigen Zeiten dünkt mich der Volkstrauertag als extrem respekt- und schamlos allen andern Europäern, ‚Völkern‘, gegenüber.

Bei diesen ‚Feierlichkeiten‘ darf nach wie vor das Lied Ich hatt’einen Kameraden nicht fehlen. Dabei muß man nun schon mindestens 80 – oder vom Hindukush zurück – sein, um das Lied wahrhaft singen zu können. Alle andern Mitsummer sind kriegsromantische Nostalgiker.

PS.
Wie sang man schon 1916 an der echten Front?
Ich hatt einen Kameraden.

Einen schlechtern findst du nit.
Die Trommel schlagt zum Streite,
Er schleicht von meiner Seite
Und sagt: ›I tu nit mit‹. 

•••

Mehr zum Thema in

Werner Pieper
MENSCH, DENK MAL
Zur Geschichte der Kriegerdenkmale und deren Alternativen,
auch am Beispiel der Kleinstadt Weinheim
Der Grüne Zweig 275
Löhrbach, 2011
ISBN 978-3-930442-75-1

 

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