Grundschulkonzept NRW

By admin um 21:01 am Samstag, März 17, 2012

Wegen der aktuellen Diskussion der Gundschulschließungen in Sundern hier  die Eckpunkte der Schulministerin Sylvia Löhrmann. Der nächste Schulausschuss tagt am 19.4. In der Sitzung soll ein Vorschlag der Verwaltung zur weiteren Schulentwicklung vorgelegt werden. Neben der Frage der Grundschulstandorte wird es dann auch um Inklusion und die Dietrich- Bonhoefferschule (Förderschule) gehen.

 

 

III. Eckpunkte des Grundschulkonzeptes NRW

Unser Grundschulkonzept sieht nun Folgendes vor:

1. Schulentwicklungsplanung, Fortführungsgrößen und Übergangsregelungen ab dem Schuljahr 2013/14: Einzügigkeit statt Zweizügigkeit
Eine wesentliche Neuerung des Konzeptes betrifft die Mindestgröße einer Grundschule. Sie soll nach geltender Rechtslage mindestens zweizügig sein (8 x 18 = 144 Kinder). Zukünftig können dagegen einzügige Grundschulen mit mindestens 92 Schülerinnen und Schülern als eigenständige Schulen fortgeführt werden. Schulen, die diese Grenze nicht mehr erreichen, können aber bis zu einer Größe von 46 Kindern als Teilstandort einer anderen Grundschule fortgeführt werden. Wenn eine Grundschule die letzte in einer Kommune ist, kann sie sogar mit mindestens 46 Schülerinnen und Schülern in 2 jahrgangsübergreifenden Klassen als eigenständige Schule bestehen bleiben.
Damit wird auf absehbare Zeit keine Kommune in NRW von der Schließung ihrer letzten Grundschule bedroht sein.
Die Regelung bedeutet natürlich nicht, dass die Kommunen die Schulen zwingend erhalten müssen. Mit den neuen Regeln schafft das Land aber einen weiten Spielraum für die Kommunen, Schulstandorte dort zu erhalten, wo sie es für erforderlich halten. Die Entscheidung darüber liegt – dem Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung folgend – bei den Kommunen selbst.

Der Schulträger entscheidet über die Zahl und die Verteilung der zu bildenden Eingangsklassen auf die Schulen bzw. die Standorte. Die Schulleitung entscheidet über die Verteilung der Schülerinnen und Schüler auf die zu bildenden Klassen an den jeweiligen Standorten einer Schule.

Für eine Grundschule in einem sozialen Brennpunkt oder eine Schwerpunktschule im Bereich Inklusion kann der Schulträger künftig die Aufnahmekapazität und damit die Klassengröße begrenzen. So kann zum Beispiel die Grundschule im sozialen Brennpunkt Klassen von 23 Kindern und die Schule im benachbarten Stadtteil vielleicht Klassen mit 29 Kinder in der Eingangsklasse bilden.

2. Absenkung des Klassenfrequenzrichtwertes
Der Klassenfrequenzrichtwert wird von derzeit 24 auf 22,5 abgesenkt. Dies erfolgt in mehreren Schritten, da die Umsetzung bei der Bildung der Klassen jeweils in den Eingangsklassen erfolgt, nicht in bereits bestehenden Klassen. Das heißt, das Konzept wächst von unten hoch. Bis zum Schuljahr 2015/16 werden wir dann den Klassenfrequenzrichtwert von 22,5 Kindern in allen 4 Jahrgängen der Grundschulen erreicht haben. Dafür sind insgesamt rund 1.700 zusätzliche Lehrerstellen erforderlich. Für das kommenden Schuljahr (2012/13) stellen wir rund 300 Stellen zusätzlich zur Verfügung.

3. Verringerung der Zahl sehr großer Klassen und Vereinfachung der Regelungen zur Klassenbildung
Die Bildung von Klassen mit weniger als 15 und mehr als 29 Schülerinnen und Schülern ist zukünftig unzulässig. Damit wird sich die Zahl der sehr großen Klassen mit 30 und mehr Kindern deutlich verringern. Diese können nur noch ausnahmsweise in der Fortführung bereits gebildeter Klassen entstehen, zum Beispiel, wenn ein Kind zuzieht.

Die Regelungen zur Klassenbildung werden eindeutiger und klarer.

Für die Zahl der maximal zu bildenden Eingangsklassen an einer Schule ist zukünftig nur die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den Eingangsklassen maßgeblich:

• eine Klasse bei bis zu 29 Schüler/innen
• zwei Klassen bei 30 bis 56 Schüler/innen (also 15 bis 28 je Klasse)
• drei Klassen bei 57 bis 81 Schüler/innen (also 19 bis 27 je Klasse)
• vier Klassen bei 82 bis 104 Schüler/innen (also 20/21 bis 26 je Klasse)
• fünf Klassen bei 105 bis 125 Schüler/innen (also 21 bis 25 je Klasse)
• sechs Klassen bei 126 bis 150 Schüler/innen
• je weitere 25 Schüler/innen erhöht sich die Zahl der zu bildenden Eingangsklassen um eins.
Das bedeutet, dass mit der Größe einer Grundschule die maximale Größe ihrer Klassen etwas abnimmt.

4. Einführung einer Kommunalen Klassenrichtzahl für mehr Gerechtigkeit zwischen den Kommunen bei der Klassenbildung
Auch hier haben wir uns vom Grundsatz leiten lassen: Jedes Kind ist vom Grundsatz her gleich viel wert. Deshalb wollen wir eine gerechtere und gleichmäßigere Steuerung der Klassenbildung vor Ort schaffen. Das Instrument dazu ist die neue Kommunale Klassenrichtzahl: Künftig bestimmt allein die Schülerzahl der künftigen Eingangsklassen die maximale Zahl der Eingangsklassen, die in einer Kommune gebildet werden können. Dazu teilen wir einfach die Schülerzahl in den Eingangsklassen des kommenden Schuljahres durch 23. Kleinere Kommunen erhalten dabei durch günstigere Rundungsregeln etwas mehr Spielräume bei der Klassenbildung als große.

Für die beiden am Anfang erwähnten Kommunen mit dem sehr unterschiedlichen Vorgehen bei der Klassenbildung würde diese neue Regelung zu folgendem Ergebnis führen: Die Kommune mit 1.980 Kindern in bisher 78 Eingangsklassen kann künftig 85 Klassen bilden, also 7 zusätzliche. Die Kommune mit 1.832 Kindern in 83 Eingangsklassen muss dagegen auf 4 Eingangsklassen verzichten und sich auf 79 Klassen beschränken. In beiden Kommunen haben die Eingangsklassen künftig durchschnittlich die fast gleiche Klassengröße von 23,2 und 23,3 Kindern.

Mit der Einführung der kommunalen Klassenrichtzahl werden also die Unterschiede zwischen den Kommunen deutlich reduziert. Damit erreichen wir mehr Gerechtigkeit bei der Klassenbildung und damit bei der Unterrichts- und Lehrerversorgung. Den Herausforderungen, vor denen vor allem kleinere Gemeinden stehen, tragen wir dabei Rechnung.

Die Kommunen können natürlich auch weniger Klassen bilden, denn die kommunale Klassenrichtzahl darf unter- aber nicht überschritten werden. Diese Ressourcen können die Schulen in solch einem Fall für zusätzliche Förder- oder Ergänzungsmaßnahmen einsetzen.

Mit all diesen Maßnahmen erhalten die kommunalen Schulträger und die Schulen einen größeren Spielraum, die Grundschullandschaft vor Ort zum Wohle aller Kinder sinnvoll auszugestalten. Das Land gewährleistet dabei durch klare Regeln für alle die notwendige Gerechtigkeit zwischen den Kommunen und zwischen den einzelnen Schulen.

5. Leitungszeit und Anrechnungsstunden für die Wahrnehmung besonderer schulischer Aufgaben etc. ab dem Schuljahr 2013/14
Die Landesregierung hat bereits mit dem Haushalt 2011 den Sockelbetrag der  Leitungszeit an Grundschulen in Anerkennung der erheblichen Leistungen der Schulleiterinnen und Schulleiter von acht auf elf Stunden erhöht.
Gerade im ländlichen Raum wird es künftig häufiger zu Teilstandortlösungen kommen. Vor allem die Leitung von Schulen mit mehreren Standorten bedeutet einen höheren organisatorischen Aufwand. Dieser ist in der Umstellungsphase nochmal besonders hoch. Dem wollen wir Rechnung tagen.

Zur Unterstützung von Teilstandortlösungen soll künftig für den zweiten und jeden weiteren Standort einer Schule jeweils für das Schuljahr, in dem der Teilstandort gebildet wurde, elf Stunden, im folgenden Schuljahr neun und ab dem darauf folgenden Schuljahr dauerhaft 7 zusätzliche Leitungsstunden gewährt werden.

Derzeit erhalten Schulleitungen mit Teilstandorten nur drei Stunden zusätzliche Leitungszeit.

Diese Erhöhung der Leitungszeit für Schulen mit Teilstandorten ist notwendig. Wir steigern dadurch auch die Attraktivität für Schulleitungen an Schulen mit Teilstandorten und wirken den Problemen bei der Besetzung von Schulleitungsstellen entgegen.

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