Gutachter ohne Fachwissen?

By admin um 20:40 am Freitag, Dezember 4, 2009

Hier ein Artikel aus der Westfaelischen Rundschau über den Gutachter DR. M, der für den Hochsauerlandkreis auch über Sunderaner BürgerInnen (z.B. Familie Khundiyan) Gutachten in Abschiebungsfällen macht.

Abschiebung
Dr. M.’s „veraltete Diagnosen“
Arnsberg, 04.12.2009, Heinz Krischer

Hochsauerlandkreis. (HK) Eine der fachlich fundiertesten Auseinandersetzungen mit den Gutachten des Dr. M. hat Dr. H.W. Gierlichs geführt.
Gierlichs ist zertifizierter Supervisor und Gutachter der Landesärztekammer Nordrhein für die Begutachtung von Traumafolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren. Ebenso ist er im Auftrag der Bundesärztekammer tätig. Er hat 21 Gutachten von Dr. M. methodisch untersucht.
Fast immer, so Gierlichs, führe M. die „Beschwerden der Untersuchten auf ihre Entwurzelung zurück und kommt dementsprechend zu dem Schluss, dass eine Rückkehr in die gewohnte Umgebung für die Betroffenen das Beste sei”. Tatsächlich seien die Betroffenen aber oft durch Gewalt in ihrer Heimat traumatisiert. „Ihnen einfach vorzuschlagen, in die alte Umgebung zurückzukehren, ist meist besonders zynisch.”
Oberflächlich seien die Gutachten, kritisiert Gierlichs, und: „Die von Dr. M. gestellten Diagnosen werden selten oder nie nach den internationalen Diagnosekatalogen, die für Gutachten verbindlich sind, gestellt.” Der 78-Jährige verwende „in der Regel veraltete Diagnosen, ebenso Literatur aus den sechziger Jahren, in denen es noch keine Psychotraumatologie gab”. Und ein anderer Fach-Kritiker, Dr. Seidler aus Heidelberg, wirft M. „fachliche Unkenntnis” vor und urteilt über dessen Kenntnisse in Sachen Psychotraumatologie: „Ein solches Fachwissen ist bei dem Kollegen Dr. M. nicht zu erkennen.”
Kritik an dem Arzt gibt es auch von Gerichten — allerdings, wie M. im Gespräch mit der WR betont, nur in „etwa fünf Prozent” der Fälle.
Die haben es dann aber in sich. So kritisiert auch das Verwaltungsgericht Darmstadt in einem Verfahren, M. halte sich offenbar nicht an „Standards für ärztliche Stellungnahmen”. Und das Gericht sei zu der Überzeugung gelangt, „dass er nicht mit der gebotenen Unabhängigkeit an die Begutachtung” herangegangen sei.

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