Hexenverfolgung: Antwort von Dr. Rainer Decker

By admin um 7:00 am Montag, April 11, 2011

Zum Stand der Forschung zum Thema Hexenverfolgung haben wir zwischenzeitlich Dr. Rainer Decker angeschrieben über den Wikipedia folgendes aussagt:

Rainer Decker (* 1949) ist ein deutscher Historiker mit dem Schwerpunkt Inquisition.

Er promovierte 1976 an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema Untersuchungen zur Zusammensetzung der Oberschicht in Paderborn von den Anfängen bis ins beginnende 17. Jahrhundert. Mittlerweile gilt Decker in ganz Europa als Experte zum Thema Hexenverfolgung. Besonders betrachtet hat er hierbei die Hexenprozesse in Deutschland und Italien. Er war unter Anderem als wissenschaftlicher Berater an verschiedenen Fernsehprojekten beteiligt.

 

Hier die Antwort von Dr. Decker:

Sehr geehrter Herr Schulte-Huermann,
für ernsthafte Forschungen über die Hexenprozesse im Sauerland bin ich immer zu haben. Nach meinen Studien aus den Jahren um 1980 beobachte ich die Szene weiter und ergänze meine damaligen Resultat gerne, wenn sich neue Informationen ergeben sollten.
Was Stockum angeht, muß ich aber damals wie heute Fehlanzeige melden, jedenfalls wenn es um die Frage geht, ob Einwohner von Stockum wegen Hexerei angeklagt waren. Das heißt nicht, daß es nicht so etwas gegeben hat, aber Beweise liegen dafür bisher nicht auf dem Tisch. Tücking ist kein Gegenargument. Ersten gibt er für seine Behauptung meines Wissens keine Quellen an – es handelt sich wohl um mündliche Überlieferung, nach mehr als 200 Jahren -, und zweitens, sogar wenn seine These stimmt – das ist durchaus möglich -, kann es sich bei den Hinrichtungen um Einwohner anderer Gemeinden des Gerichtsbezirks Stockum gehandelt haben, die eben zur Hinrichtung nach Stockum gebracht wurden. Ich füge Ihnen eine Seite aus meinem Artikel von 1981/2 bei und verweise besonders auf die 4./5. Zeile mit der Fußnote 87. Demnach gab es in Allendorf Hexenprozesse. Allendorf gehörte zum Gericht Stockum. Der von mir dort angeführte Brief des Lizentiaten Kaspar
Reinhard aus Werl ist vom 9. Okt. 1629. Darin schreibt er, er sei u.a in Allendorf tätig. Das würde zeitlich gut zu der Hinrichtung des Allendorfers Kaspar Kellermann Anfang November 1629 passen. Stockumer Einwohner sind also bisher nicht als Angeklagte von Hexenprozessen belegt.

Anders sieht es für Sundern, Hachen und Langscheid aus (siehe meine Anm. 85 und dazu meine Karte), aber das ist nur eine allgemeine Angabe. Die Hexenprozeßakten sind wahrscheinlich verloren. Daher hat es auch keinen Sinn, jemanden mit der Aufarbeitung der Prozesse im Raum Sundern zu befassen – die Quellenlage ist zu dürftig. Sparen Sie sich das Geld. Etwas Anderes wäre es, wenn irgendwo eine dicke Prozeßakte auftauchen würde. Das ist nicht ganz ausgeschlossen, Aber solange es dafür keinen Anhaltspunkt gibt, ist es das Suchen nach einer (vielleicht gar nicht vorhandenen) Nadel im Heuhaufen,.Was die Verantwortung für die Hexenprozesse angeht, so lag diese in erster Linie beim Landdrosten in Arnsberg und seinen Juristen, z.B. Kaspar Reinhard s.o. Damals wie heute war Arnsberg *die* Instanz für Sundern bei schweren Strafsachen. Wenn also jemand eine Rehabilitierung der Hexen im Sauerland aussprechen sollte, dann wäre das Landgericht in Arnsberg
die erste Adresse. Fragen Sie doch mal einen Juristen, ob nicht Nachkommen verbrannter Hexen einen Antrag auf Wiederaufnahme des Prozesses gegen ihren Vorfahren stellen sollten, mit dem Ziel eines Freispruchs……

Sollten sich für Sundern neue Erkenntnisse ergeben, wäre ich für den Hinweis dankbar.
Freundliche Grüße
Dr. Rainer Decker

 

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April 13, 2011 @ 10:50 pm

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