Jugendbeirat in Sundern: demokratischer Prozess statt Installation

By admin um 15:26 am Samstag, März 7, 2009

Jugendparlament – ein demokratisches Lehrstück

Mit großem Interesse habe ich in den letzten Wochen die Berichterstattung über die Gründung eines Jugendparlaments in Sundern verfolgt und mich unglaublich gefreut, dass eine Gruppe Jugendlicher mal wieder einen Versuch starten möchte, sich in die Politik einzumischen, aktiv zu werden und eigene Interessen zu formulieren. Das fehlt uns in der Politik und der Jugend schon lange. Im Gespräch mit Jugendlichen höre ich immer wieder heraus, dass sie sich von den „Schlipsträgern“- gemeint sind damit meistens grundsätzlich alle Erwachsenen jenseits der 40 – nicht ernsthaft vertreten fühlen und dass für die Jugend in Sundern zu wenig gemacht wird. Das muss sich ändern. Dafür setzen wir uns als Partei auch ein. Dafür braucht man aber auch den Dialog mit den Jugendlichen. Gut, wenn diese organisiert sind und plurale Meinungsbildungsprozesse innerhalb dieser Gruppe stattfinden.
Was ich aber den Berichten zu diesem Thema entnehmen kann, ist auf der einen Seite unklar, bzw. zum Teil auch beunruhigend. Man liest heraus, dass das Jugendparlament bald seine Arbeit aufnehmen möchte, Interessenten sollen sich bei den Ortsvorstehern melden, und eine Einbeziehung der Schülervertreter ist geplant. Was mich beunruhigt ist die verwendete Terminologie wie z.B. „Ortsvorsteher benennen Mitglieder“ oder „Mitglieder“ sollen „gewonnen werden“. Nun kann man nur hoffen, dass dies an dem noch nicht ausgereiften Konzept liegt und noch einmal von den Betroffenen überdacht wird, denn für mich deutet im Moment alles darauf hin, dass hier eine Institution ins Leben gerufen werden soll, die den Ansprüchen eines demokratisch legitimierten Beteiligungsorgans nicht gerecht wird. Parlamente werden gewählt und deren Vertreter werden nicht benannt oder irgendwie sonst gewonnen. Die Gründung eines Jugendparlaments sollte als demokratisches Lehrstück gesehen werden, mit allem, was dazu gehört, auch wenn dies langwierige Prozesse und eventuell Frustrationen mit sich bringt, denn nur so funktioniert Politik und nur so kann man eine Interessenvertretung aller Jugendlichen in Sundern gewährleisten und einer Cliquenwirtschaft vorbeugen. Anregungen kann man sich genügend im Internet bei anderen Kommunen holen, in denen bereits Jugendparlamente erfolgreich installiert sind. Und auch der politische Raum sollte helfend, beratend und selbstverständlich nicht gängelnd zur Seite stehen. Nur so kann ein Jugendparlament entstehen, das von der Politik und von den Jugendlichen selbst ernst genommen wird.
Der Bürgermeister aber möchte die Jugendlichen offensichtlich erst mal „machen lassen“, wenn er betont, dass eine Entscheidung im Rat nicht erforderlich ist. Meistens beobachten wir das, was unsere Kinder tun, doch nur dann mit „Lass sie mal machen.“, wenn uns 1. das Ergebnis nicht besonders wichtig ist und wir 2. das Scheitern billigend in Kauf nehmen, da auch damit wichtige Lebenserfahrungen verbunden sein können. Aber beides sollte doch in diesem Fall nicht Handlungsmaxime sein, denn es ist sehr wohl wichtig, dass Jugendliche endlich ein Sprachrohr in den politischen Raum haben und ihre Interessen artikulieren können. Und da dies schon der zweite Versuch innerhalb kurzer Zeit in unserer Stadt ist, eine jugendliche Interessenvertretung zu schaffen, darf dieser diesmal nicht scheitern, wenn wir nicht riskieren wollen, dass die Sunderaner Jugendlichen noch weiter von der Politik entfernen, als ein Großteil dies schon ohnehin tut.
Anke Rose
Sprecherin B90/Die Grünen
Wilhelm-Hauff-Str. 15
59846 Sundern

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