Kyrill: Wenig hat sich getan!

By admin um 21:31 am Donnerstag, April 26, 2007

„Wir beten jeden Tag, dass nichts passiert“, sagt Josef Thüsing vom Ruhrverband. „Hier besteht Lebensgefahr.“ Im Wald nebenan werden tonnenschwere Baumstämme bewegt, die Arbeiter müssen ihren Aktionsradius von ca. 100 Meter im Blick halten. Diskussionen mit Waldbesuchern sind dabei erstens müßig und halten zweitens den Verkehr auf. Thüsing: „Wir möchten an die Toleranz der Leute appellieren: Bleibt da weg!“

Die Absperrungen werden gern umgangen. Obwohl die Mitarbeiter des Ruhrverbands täglich mehrfach die Gitter wieder schließen. „Aber innerhalb von ein paar Minuten sind wieder 20 Leute da“, weiß Arne Heck, Revierförster vom Ruhrverband, aus eigener Anschauung. „Auch wir wollen, dass der Randweg so schnell wie möglich freigeräumt wird. Wir wären dabei aber eine ganze Ecke schneller, wenn wir nicht massiv von Touristen behindert würden.“

An sieben Tagen in der Woche wird im Wald gearbeitet, so dass auch am Wochenende die Wege nicht betreten werden dürfen. Eigentlich sind die Sperrungen nicht zu übersehen. Mit Gittern, Fangzäunen und Flatterbändern sind sie kenntlich gemacht. Ein Schild warnt: „Holzfällung! Durchgang verboten!“ Und wer sich für das Kleingedruckte interessiert, kann auch die ordnungsbehördliche Verordnung zur Sperrung von Wald vom 2. März studieren und den Text in der Mitte verinnerlichen: „Dieser Weg ist nicht vollständig freigeräumt und gesichert! Betreten verboten!“

Betreten verboten!

Blickt man durch den Gitterzaun, sieht man dennoch 50 Meter weiter zwei Spaziergänger. Was sie vielleicht nicht wissen, ist: „Die Arbeiten werden dadurch erschwert, dass sich einzelne Besucher nicht an die Sperrung halten“, erläutert Eberhard von Wrede, ein – wie er selber sagt – „mittelgroßer Waldbesitzer“. 170 Hektar Flächenwurf hat er zu bewältigen, der Schwerpunkt liegt am Ostufer. „Man ist ja sowieso nervös und dann kommt noch der Stress mit der Verkehrssicherungspflicht hinzu.“ Denn rein rechtlich betrachtet, sieht es im Falle eines Falles für die Waldbesitzer düster aus.

Auch wenn der Weg optisch freigeräumt scheint, liegt doch noch ein erhebliches Gefahrenpotential in dem angrenzenden Bereich. „Und der Waldweg gehört zum Forstbetrieb, also zur Betriebsfläche und die ist offiziell gesperrt“, sagt von Wrede. Ihn drängt die Witterung, wenn das Holz nicht schnell genug ins Sägewerk geht, entsteht ihm – wie allen anderen Betroffenen auch – ein volkswirtschaftlicher Schaden. Auch die Waldbrandgefahr ist angestiegen.

Doch sollten die Wege nicht bis Mai weitgehend frei sein? „Forstamt und Ministerium haben zwar Ziele, doch die Handelnden vor Ort finden keine Unterstützung, um diese umzusetzen. Man fühlt sich von der Regierung und vom Forstamt alleingelassen. Das ist das klassische Dilemma“, erklärt Eberhard von Wrede und fordert. „Es ist mehr Aktivität aus der Politik gefragt. Was hat denn der Tourismusverband bisher getan?“

Vorerst werden die Ausflügler und Urlauber wohl ihre Runden nicht um den Sorpesee drehen können. Wann der Randweg wieder geöffnet sein wird, ist nicht absehbar. Nur so viel: „Für die nächsten zwei Monate werden wir keine Termine bekannt geben können“, so Josef Thüsing.

Zeitungsverlag Westfalenpost GmbH

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