Rüttgers: Zu spät und zu zögerlich!

By admin um 13:19 am Sonntag, Februar 25, 2007
Waldbesitzer fühlen sich allein gelassen
Bernward Lösse, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Balve (2.v.l.), sieht durch den Orkan Kyrill sein Lebenswerk zerstört, denn 200 ha Wald sind nicht mehr präsent. Gestern Nachmittag führte Lösse NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers die etwas andere Art des Waldsterbens drastisch vor Augen. Foto: R. Elmerhaus
Garbeck. Wer geglaubt hat, die Waldbauern aus Garbeck würden für den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen den „Roten Teppich“ ausrollen, der sah sich getäuscht.Die Waldbesitzer sind sauer, und deshalb sparten sie gestern Nachmittag auf dem Jungferngut Lösse und im Garbecker Wald ebenso wenig wie einige Politiker mit Kritik. Tenor: „Wir fühlen uns nach dem Orkan Kyrill allein gelassen.“Noch bevor Ministerpräsident Jürgen Rüttgers aus seiner Limousine stieg, kritisierte der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Thomas Gemke: „Rüttgers hätte bereits vor vier Wochen in diese Region kommen müssen. Die Zeit für die Einrichtung von Nasslagern ist verschlafen worden.“

Dies ist auch die Ansicht von Bernward Lösse, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Balve, und einer von den Waldbesitzern, die vom Orkan Kyrill brutal betroffen sind, denn er hat 75% seines Waldes verloren. „Bis heute gibt es in unserer Region nicht ein einziges Nasslager. Jetzt macht es keinen Sinn, noch welche einzurichten, denn die Qualität der Hölzer wird schlechter sein als wenn wir die Bäume im Wald belassen“, kritisierte Lösse ganz unverhohlen die Politik.

Als er schon einmal dabei war, die Missstände beim Namen zu nennen, ging er auch die Deutsche Bahn an, die nicht bereit sei, den Waldbesitzern beim Abtransport des Holzes wirklich zu helfen. „Die Bahn bereitet uns Probleme, weil sie einfach zu unflexibel ist. Wir sind aber auf sie angewiesen, weil das Holz schnell abfließen muss“, erklärte Lösse dem Ministerpräsidenten, der Verständnis für die Reaktion der Waldbauern zeigte. „Ich kann verstehen, dass die Waldbesitzer unruhig sind. Deshalb bin ich jetzt hier. Unsere vorrangige Aufgabe muss es sein, das Holz sehr schnell aus den Wäldern zu holen und es zu vermarkten“, sagte Rüttgers, der den Waldbauern auch finanzielle Unterstützung zusagte. Dies gilt nicht nur für den Abtransport der riesigen Holzmenge, sondern auch für die Aufforstung der kahlen Waldflächen. „Wir müssen auch mit dem Bund und der EU sprechen, um den Waldbesitzern zu helfen. Denn sie erbringen eine wichtige Aufbauleistung für die kommenden Generationen. Sie schaffen den Lebens- und Erholungsraum hier in Südwestfalen. Denn wie heißt es: Wenn der Wald stirbt, stirbt auch der Mensch“, betonte Rüttgers, der Bund, Land und Kommunen aufforderte, bei der Schadensbekämpfung an einem Strick zu ziehen.

Die Waldbauern hörten zwar die Botschaft, aber es fehlte ihnen der Glaube. Vor allem deshalb, weil sie vor Ort ganz andere Erfahrungen gemacht haben und täglich noch machen. So sickerte beispielsweise hoch oben im Garbecker Wald durch, dass die von Minister Uhlenberg avisierten Kredite für die Waldbauern in Balve nicht fließen. Bereits vor 14 Tagen bat der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Bernward Lösse die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis um ein Darlehen in Höhe von 500.000 Euro für die FBG. Bis zum heutigen Tage ist nicht ein Euro bei der Forstbetriebsgemeinschaft eingegangen. Statt dessen heißt es nach Aussage von Lösse: „Die Bearbeitung des Antrages dauert noch an.“

Da die Sparkasse das Geld noch nicht bewilligt hat, aber die Harvester-Besitzer Bares sehen wollen, hat Heinz Schulte bereits in die Privatschatulle gegriffen und 25.000 Euro auf den Tisch gelegt. „Wenn Du nicht sofort bezahlst, ziehen die Unternehmer ihre Holz-Erntemaschinen ab“, so Waldbesitzer Dieter Schweitzer aus Leveringhausen im Gespräch mit dieser Zeitung. Lösse will sich noch heute mit der Sparkasse in Verbindung setzen, damit die FBG die Harvester bezahlen kann.

21.02.2007 Von Richard Elmerhaus
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