PFT-Sanierung: Stadt Brilon fordert vom Kreis die Erstellung eines hydrogeologischen Gutachtens

By admin um 22:33 am Donnerstag, Oktober 26, 2006

Auf Antrag der Briloner Bürgerliste (BBL) hat heute der Hauptausschuß der Stadt Brilon einstimmig folgendes beschlossen:

„Der Haupt- und Finanzausschuß der Stadt Brilon fordert den Hochsauerlandkreis auf, vor Beginn der Sanierungsarbeiten der mit PFT kontaminierten Flächen in Brilon-Scharfenberg ein hydrogeologisches Gutachten über die vorgesehene Drainage in Auftrag zu geben, zu veröffentlichen und seine Ergebnisse auszuwerten.

Aus Sicht der Stadt Brilon ist ein zügiger Beginn der Sanierungsarbeiten sehr wünschenswert. Trotzdem sollte aber zunächst eine hinreichende Sicherheit über die Wirksamkeit der vorgesehenen Maßnahmen bestehen.“

Am Vortag hatte eine Sondersitzung des Briloner Umweltausschusses zur PFT-Verseuchung stattgefunden. Daran hatten sich auch zwei Experten des BUND beteiligt. Die Kreisverwaltung hatte ihr Sanierungsmodell für die vergifteten Maisfelder bei Brilon-Scharfenberg vorgestellt: Die Ableitung des aus diesen Feldern abfließenden Wassers durch ein Drainagesystem mit anschließender Reinigung durch einen Aktivkohlefilter. Durch die Drainagerohre sollen 80% – 90% des Wassers abgeleitet werden. Voraussichtliche Kosten: ca. 1 Mio. Euro. Voraussichtliche Betriebsdauer: ca. 20 Jahre.

In der Sitzung waren von den Vertretern des BUND und anderen Teilnehmer Zweifel geäußert worden, ob bei der vorliegenden Boden- und Strömungsverhältnissen ein so hoher Anteil des Wassers erfaßt werden kann. Dies soll nun durch ein – zügig zu erstellendes – Fachgutachten näher untersucht werden.

Die BBL hatte ihren Antrag wie folgt begründet:

„Am 25.10.2006 fand eine Sondersitzung des Ausschusses für Forst, Umwelt und Landwirt­schaft zu den PFT-Belastungen in Brilon statt. Dabei ging es vor allem um die Maisfelder westlich von Scharfenberg. Da sie einen wesentlichen Anteil an der Gesamtbelastung der Möhne in Arnsberg-Neheim haben, soll ihre Sanierung möglichst bald erfolgen. Von den Vertretern der Kreisverwaltung wurde vorgestellt, daß sich der Hochsauerlandkreis unter 5 denk­baren Verfahren für eine Sanierung durch eine Drainage entschieden hat, also für die Variante, für die die geringsten Kosten erwartet werden. Auch hierfür werden aber noch mindestens 1 Mio. Euro anfallen.

Als Ziel wurde von der Vertretern der Kreisverwaltung genannt, daß 80% – 90% des aus den belasteten Flächen abfließenden Wassers durch die Drainage aufgefangen und dieses Wasser anschließend durch einen Aktivkohlefilter gereinigt werden soll. Es zeigte sich in der Sitzung aber auch, daß noch erhebliche Bedenken bestehen, ob das vorgesehene Verfahren an dieser Stelle hinreichend wirksam ist.

Dabei ist vor allem von Bedeutung, welche Anteile des aus den verseuchten Flächen in die Bäche Steinbecke und Bermecke abfließenden Wassers durch die Drainage tatsächlich aufgefangen werden. Dies hängt u.a. von der Beschaffenheit des Untergrundes ab. Falls dieser aus zerklüfteten Gesteinsschichten bestehen sollte, könnte möglicherweise ein großer Teil des Wassers tiefer in den Untergrund versickern ohne in die Drainage zu gelangen. Bei einer relativ glatten und wasserundurchlässigen Schicht mit geeignetem Gefälle wäre das anders. Für die Gefahr der Versickerung könnte auch sprechen, daß derzeit nur etwa 2% der gesamten „PFT-Fracht“ der Steinbecke am Quelltopf des Zuflusses der Steinbecke neben einem der verseuchten Maisfelder meßbar sind. Da alle anderen Zuflüsse der Steinbecke überhaupt keine PFT-Belastung aufweisen, scheint das mit PFT kontaminierte Wasser von den Mais­feldern auf vielen unterirdischen „Wegen“ in die Steinbecke zu gelangen.

Ein baldiger Beginn der Sanierungsmaßnahmen ist sehr wünschenswert und sollte unbedingt unterstützt werden. Immerhin sind seit Bekanntwerden der PFT-Belastungen der Möhne mittlerweile bereits fast 5 Monate vergangen.

Es muß aber möglichst planvoll vorgegangen werden, und dafür ist eine hinreichende Sicher­heit über die Wirksamkeit des gewählten Verfahrens notwendig. Entsprechende Erkenntnisse liegen bisher nur sehr vage vor. Daher haben auch die zur Sitzung des Umweltausschusses eingeladenen Fachleute des BUND zu entsprechenden Voruntersuchungen, insbesondere einem hydrogeologischen Gutachten geraten. Dies sollte möglichst bald erstellt werden.

Da sich diese Erkenntnisse erst am 25.10.2006 ergeben haben und am 27.10.2006 eine Sitzung des Kreistages stattfindet, bei der u.a. ein Sachstandsbericht zu den PFT-Belastungen sowie zu den Sanierungsmaßnahmen gegeben und diskutiert wird, ist eine besondere Dringlichkeit für den beantragten Beschluß des Haupt- und Finanzausschusses gegeben.“

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